Unser ungeplantes Familienbett

schlafen als Familie

In meiner ersten Schwangerschaft habe ich mir eigentlich nie viele Gedanken zur Schlafsituation mit Baby gemacht. Erst recht nicht über das sogenannte „Familienbett“. Irgendwie war es für mich gesetzt, dass man am Anfang ein Beistellbett im Schlafzimmer hat und wenn das Baby dann da raus gewachsen ist, es in sein normales Babybett im eigenen Zimmer umzieht. Und so sind wir dann auch an die Sache ran gegangen. Wir konnten Bekannten von uns ein Babybay abkaufen und haben das ins Schlafzimmer an unser Bett gestellt. In Linos Zimmer hatten wir ein normales Babybett, was er von seinem Cousin und seiner Cousine geerbt hatte.

Im Geburtsvorbereitungskurs habe ich dann zum ersten Mal gehört, dass Babies anscheinend einen Unterschied merken, ob sie auf ihrer eigenen Matratze im Beistellbett schlafen oder auf der gleichen Matratze wie die Eltern. Es soll ihnen Sicherheit geben, wenn sie die Bewegungen der Eltern über die Matratze spüren. So richtig geglaubt habe ich das aber nicht. Das wird schon dachte ich. Obwohl ich fand, dass das Babybay tatsächlich nicht besonders gemütlich aussah, so ohne Nestchen und sonstige Kissen oder Kuscheltiere. Das haben wir nämlich alles weg gelassen, nachdem ich ein bisschen was zum plötzlichen Kindstot gelesen habe. So war lediglich die Matratze im Babybay mit einem passenden Bettlaken bespannt.

Lino im Babybay
Die Ausnahme: Lino schlafend im Babybay. Das war eigentlich immer nur von kurzer Dauer.

Als unsere kleine Maus dann geboren wurde, war es irgendwie ganz normal, dass er doch bei uns im Bett schläft. Denn beim Stillen ist er immer eingeschlafen und dann wollten wir ihn meistens nicht mehr großartig umbetten. Also entweder hat er zum Babybay hin oder in der Mitte zwischen uns geschlafen. Wir hatten also nie Angst, dass er raus fallen könnte. Da es Hochsommer war, haben wir selber auch kaum mit Decke geschlafen und so haben wir uns auch keine Sorgen gemacht, dass aus Versehen eine Decke über seinem Köpfchen landet. Lediglich, dass man sich möglicherweise im Schlaf auf ihn drauf rollt, hat mich unruhig gemacht.

Ich habe aber sehr schnell gemerkt, dass man als Mutter den leichtesten Schlaf aller Zeiten hat. Ich selbst bin schon von einem komischen Atmer von Lino wach geworden. Bei Cedric war das schon anders. Der hatte bis dahin einen Bombenschlaf und konnte immer und überall einschlafen egal wie laut es war. Und es dauerte wirklich (gefühlt) lange bis er wach geworden ist, wenn Lino geschrien hat. Also habe ich Lino dann öfter auf meine Seite vom Babybay gelegt um auf Nummer sicher zu gehen, dass nicht aus Versehen der Arm oder sonst was von Ced auf Lino landet. Nach einem Monat hatten wir aber dann auch schon das Cocoon, was sowohl im Babybay als auch zwischen uns platziert werden konnte. So gab es keine Gefahr, dass Lino von einer Decke oder einem Körperteil bedeckt würde. Ohne es damals zu wissen war das also der Anfang unseres „Familienbettes“.

Hinzu kommt, dass Lino die ersten 7 Monate seines Lebens eigentlich mit einer schönen Regelmäßigkeit (mindestens) alle 2 Stunden nachts wach geworden ist und gestillt werden wollte. Da war es einfach am praktischsten, wenn er direkt neben mir lag. Allein der Gedanke daran, dass ich nachts 12 mal aufstehen müsste um Lino aus seinem Bett zu holen und nach dem Stillen wieder reinzulegen, hat gereicht ihn weiter in unserem Bett schlafen zu lassen. Außerdem bestand ja immer die Gefahr, dass er aufwachen würde, wenn wir ihn wieder in sein eigenes Bett legen. Das wollten wir nicht riskieren ;). So viel Schlaf wie möglich für alle Beteiligten war unser größtes Anliegen :). Und je mehr Zeit vergangen ist, desto normaler wurde unser „Familienbett“ für uns (den Begriff „Familienbett“ habe ich übrigens erst Monate nach Linos Geburt so richtig wahr genommen und auch dass dies ein ganz umstrittenes Thema ist).

Trotzdem habe ich seitdem natürlich keine Nacht mehr so gut geschlafen wie vor der Zeit mit Baby. Denn selbst wenn Lino gut geschlafen hat, bin ich von seinen Geräuschen oder seinen Bewegungen wach geworden. Also war es nach wie vor erstrebenswert, dass der kleine Monsieur irgendwann in seinem eigenen Bett schläft.

Als Lino dann knapp 7 Monate alt war, sind wir für 2 Monate nach Australien gereist. Dies wollten wir zum Anlass nehmen, Lino an sein eigenes Bett zu gewöhnen. Dafür haben wir extra ein Reisebett aus Deutschland mitgenommen. Als wir angekommen sind, wollten wir erstmal abwarten bis Lino den Jetlag verarbeitet und sich an die neue Umgebung gewöhnt hat. Nach einer Woche haben wir dann einen halbherzigen Versuch gestartet ihn ins Reisebett zu legen. Aber nachdem er dann das erste mal aufgewacht ist, war er wieder in unserem Bett. Und das Spiel ging von vorne los, dass wir ihn nicht mit einem „Umbetten“ aufwecken wollten. Also haben wir ihn der Einfachheit halber einfach direkt in unserem Bett gelassen. War also nichts mit Australien und Lino in seinem eigenen Bett, sondern Familienbett auch im Urlaub.

Lino im Elternbett
Lieber kein schlafendes Baby wecken 😉

Dafür haben wir uns dann fest vorgenommen ihn später, wenn wir zurück in Deutschland sind, an sein Bett zu gewöhnen. Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben ;). Voller neuer guter Vorsätze in Berlin haben wir das Babybay abgebaut (dafür war er schon viel zu groß und drin geschlafen hat er ja eh nie) und sein Babybett aus seinem Zimmer in unser Schlafzimmer geräumt. Das war zwar ziemlich eng, aber wir wollten einen sanften Übergang für die neue Situation. Sprich Lino sollte erst noch in unserem Schlafzimmer schlafen, aber dafür in seinem eigenen Bett.

Periodenweise hat es auch ganz gut geklappt. Lino ist in unserem Bett eingeschlafen und wir haben ihn danach in sein eigenes Bett gelegt. Wenn er dann nachts aufgewacht ist, haben wir ihn manchmal wieder nach dem Stillen und Einschlafen zurück in sein Bett gelegt und manchmal nicht, weil es einfach wieder bequemer war, ihn einfach zwischen uns liegen zu lassen. Und dann kamen Zeiten wo er krank war und er uns einfach brauchte und dann hat er wieder die ganze Nacht bei uns geschlafen. Zudem war es mittlerweile auch zuckersüß, wenn er uns morgens mit kleinen Patschern im Gesicht oder seinem Gebrabbel geweckt hat. Als er noch kleiner war, ist er eher immer schreiend aufgewacht. Deswegen war das für uns ganz besonders schön, dass er morgens als Happy Baby aufgewacht ist.

Babybett im Schlafzimmer
Linos Babybett neben unserem (Familien)Bett im Schlafzimmer

Nach seinem 1. Geburtstag wollten wir dann aber wirklich konsequent sein. Natürlich nicht direkt an seinem Geburtstag, weil das wäre ja gemein gewesen ;). Also eher so mit 13 Monaten. Dann stand aber auch schon die Kitaeingewöhnung vor der Tür und dass ich wieder arbeiten ging. Und man soll ja bekanntlich nicht zu viel Veränderung auf einmal einführen, denn die kleinen haben genug mit dieser Eingewöhnung zu verarbeiten (was bei Lino definitiv der Fall war, dazu aber ein andermal mehr). Also war er dann immer noch jede Nacht schön zwischen uns. Tja und dann gingen über die nächsten Monate die ganzen Kitainfekte los. Lino war gefühlt jede zweite Woche krank und entsprechend anstrengend waren auch wieder die Nächte. Es war einfacher ihn bei uns zu lassen und es hat sich auch richtiger angefühlt, denn wenn unser Baby (oder mittlerweile eher Kleinkind) krank ist, dann braucht es viel Nähe.

Da sich in der Zwischenzeit aber auch Baby Nr. 2 angekündigt hat, waren wir wieder hochmotiviert Lino nicht nur an sein eigenes Bett, sondern auch an sein eigenes Zimmer zu gewöhnen. Denn allein vom Platz her würde es zu viert viel zu eng werden. Wir wollten dies definitiv eine Weile vor der Geburt von Nr. 2 hinkriegen, damit Lino sich nicht abgeschoben fühlt. Also haben wir sein Babybett wieder in sein eigenes Zimmer geräumt – das war Anfang Januar diesen Jahres. Die ersten 2 Nächte hat das Einschlafen gut geklappt, aber kurz nach Mitternacht hat er dann in beiden Nächten wie am Spieß geschrien und ist nur wieder eingeschlafen, wenn er uns berührt hat. Insgesamt hat er da eine Phase durchgemacht, wo wir das Gefühl hatten, dass er uns braucht und somit war er wieder die komplette Nacht bei uns im Schlafzimmer (im Familienbett).

Lino und Mama im Bett
So sah das dann immer aus. Ein kleiner zuckersüßer Fratz neben mir.

Nach nun 1,5 Jahren von halbherzigen Versuchen Lino an sein eigenes Bett zu gewöhnen, haben wir das jetzt erstmal auf Eis gelegt und suchen gerade nach einem großen Bett, wo wir zu viert reinpassen. Unser Schlafzimmer ist zwar nicht riesig und es wird eng und nicht so schön aussehen mit so einem Riesenbett, aber das ist uns mittlerweile egal.

Ich bin der festen Überzeugung, wenn wir es wirklich gewollt hätten, dann hätten wir es geschafft Lino an sein eigenes Bett zu gewöhnen, aber eigentlich lieben wir es, dass unsere kleine Maus neben uns liegt, sich an uns kuschelt und uns morgens (meistens) total süß weckt. Und auch wenn viele denken, dass wir uns da auf der Nase haben rumtanzen lassen, sehe ich das anders. Für uns ist es schön wie es ist und wir nehmen dafür in Kauf, dass unser Schlaf nicht ganz so tief und durchgehend ist, wie er vielleicht ohne Kind im Bett sein könnte. Dafür haben wir ein gutes Gefühl, dass wir unserem Kind Sicherheit und Geborgenheit geben. Das sogenannte Familienbett scheint also die richtige Lösung für unsere kleine Familie zu sein und das ist ok so.

Wir wissen zwar noch nicht, wie das mit einem Säugling, der nachts oft wach wird und evtl. viel schreit, werden soll, aber das kriegen wir schon irgendwie hin. We’ll go with the flow :).

Linos Bett
Spielen im eigenen Bett geht klar, aber bitte nicht zum Schlafen 😉

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