Reisen mit Baby: Erfahrungen & Tipps für die Kurzstrecke

Erster Flug mit Baby

Viele Eltern sind ziemlich nervös, wenn es ums Reisen mit Baby geht und speziell die erste Flugreise mit Baby ansteht. Ich hatte auch ganz schön Bammel vor unserem ersten Flug, weil Lino zu dem Zeitpunkt gerade mal 5 Wochen alt war. Und bis dahin hat er die einzigen beiden anderen Transportmittel (das Auto und seinen Kinderwagen) gehasst. Wir sind damals für ein Wochenende in die Heimat nach NRW geflogen, weil sein Cousin eingeschult wurde. Zudem konnte Lino noch den Rest der Familie treffen, die uns bis dahin noch nicht in Berlin besucht hatten.

Ich habe vorher alles zum Thema Reisen mit Baby gelesen, was ich finden konnte, um so gut wie möglich vorbereitet zu sein. Trotzdem kann ich im Nachhinein sagen, dass ich ein nervöses Wrack war (zumindest noch auf dem Weg zum Flughafen). Im Endeffekt hat aber alles so gut geklappt und war so entspannt, wie ich es mir niemals erträumt hätte.

Seit diesem ersten Flug sind wir noch ganz oft mit Lino in der Weltgeschichte umhergereist. Dabei haben wir sowohl richtig lange Flüge (Australien) als auch viele Mittel- und Kurzstreckenflüge (z.B. Italien oder Köln) gemeistert. Und tatsächlich finde ich das Fliegen bisher das entspannteste Transportmittel von allen. Man muss nur ein paar Dinge beachten. Da so viele Eltern mich immer wieder fragen, was wir alles gemacht haben, hier ein paar Tipps für die Kurzstrecke aufgrund unserer Erfahrungen (Tipps für die Langstrecke folgen in einem weiteren Blogpost):

Buchen und (Kinder-)Reisepass

Babys und Kleinkinder unter 2 Jahren dürfen normalerweise (fast) umsonst bei ihren Eltern mitreisen. Sie haben dann keinen eigenen Sitz und müssen auf dem Schoß der Eltern sitzen. Man kann aber auch einen eigenen Sitz für ein Baby in dem Alter buchen, dann muss man jedoch einen geeigneten Kindersitz bzw. eine Babyschale mitbringen, die für Flüge zugelassen ist (kann man in der Beschreibung nachlesen). Dementsprechend bezahlt man aber auch den normalen Flugpreis. Lino ist bisher immer bei uns auf dem Schoss mitgereist und es war überhaupt kein Problem. Gerade bei teureren Flügen lohnt es sich sehr.

Das Buchen ist ganz einfach. Man gibt bei der eigenen Buchung nur an, dass man mit Baby/Kleinkind reist und wählt das entsprechende Alter aus. Dann wird man später noch nach Geburtsdatum und Name gefragt und das war’s dann eigentlich auch schon.

Etwas anders verhält es sich, wenn man einen Flug für sein ungeborenes Baby buchen möchte. Sprich man weiß schon vor Geburt, dass man nach der Geburt mit seinem Baby irgendwo hinfliegen möchte und es ist einfach besser wenn man so früh wie möglich bucht, weil z.B. die Flüge evtl. teurer werden je länger man wartet oder es eine sehr beliebte Strecke ist, die bis zur Geburt ggfs. ausgebucht ist. Für diesen Fall muss man sich bei der jeweiligen Airline erkundigen, was das genaue Prozedere ist. Bei Airberlin kann man z.B. vor der Geburt einfach den Flug für sich selbst buchen und nach der Geburt über die Servicehotline sein Baby auf das eigene Ticket hinzufügen lassen.

Babys und Kleinkinder brauchen zum Reisen auch einen Ausweis den sogenannten Kinderreisepass. Um diesen beantragen zu können braucht leider auch das Kind ein biometrisches Passbild. Lino war zur Beantragung seines Passes gerade mal 2 Wochen alt und es war gar nicht so einfach ein Bild zu machen, was die Bedingungen für ein biometrisches Passbild erfüllt. Denn er musste gerade in die Kamera gucken, den Mund zu und die Augen auf haben und es darf keine andere Hand im Bild zu sehen sein. Ein Kinderspiel bei Säuglingen ;). Wir haben es trotzdem irgendwie hinbekommen indem wir ihn mit dem Rücken auf eine weiße Decke gelegt haben. Dann hat einer von uns seinen Kopf gerade gehalten und der andere hat sich über ihn gebeugt und schnell ein paar Fotos geschossen, nachdem der andere schnell die Hände weggenommen hat. Nach ein paar Versuchen hatten wir dann ein Bild, was in Ordnung war. Zwar nicht besonders hübsch und der Mund war streng genommen auch nicht komplett geschlossen (aber das war er in diesem Alter nie ;)).

Ein Freund von uns hat die Passbilder von seinem Sohn (war auch noch ganz jung) in einem Fotostudio machen lassen und dort hat die Mama ein weißes T-Shirt angezogen, das Baby auf den Schoß genommen und dem Kopf ein bisschen Halt mit den eigenen Brüsten gegeben. Man muss nur kreativ werden, dann klappt es auch mit dem biometrischen Babybild :).

Es gibt 2 Arten von Kinderreisepass. Bei der einfacheren Variante wird der Pass sofort ausgestellt und ist günstiger, enthält aber keinen Chip (wie Reisepässe von Erwachsenen). Diese Art von Reisepass ist zwar in vielen Ländern anerkannt, aber nicht in allen und man sollte sich vorher auf der Seite des Auswärtigen Amt erkundigen, welche Art von Reisepass in dem jeweiligen Land akzeptiert wird. Die andere Variante unterscheidet sich eigentlich nicht vom normalen, erwachsenen Reisepass. Diese braucht genauso lange in der Bearbeitung (in Berlin ca. 4-6 Wochen) und ist etwas teurer. Genauere Infos zum Kinderreisepass findet ihr hier.

Gepäck, Kinderwagen und Co.

Bei fast allen Airlines darf man einiges an Gepäck und Equipment für das Baby kostenfrei mitnehmen. Infos dazu gibt es eigentlich immer auf der Website der jeweiligen Airline. Normalerweise ist es kein Problem Buggy/Kinderwagen, Kindersitz/Babyschale, Wickeltasche und sogar ein Reisebett mitzunehmen. Am Schalter der Airline bekommt man Tags für sein ganzes Equipment und muss dieses dann normalerweise beim Sperrgepäck aufgeben. Den Buggy und/oder die Babyschale darf man oft sogar bis zum Gate mitnehmen. Beim Boarding muss man den Buggy dann jedoch abgeben.

Als Lino noch kleiner war, haben wir ihn immer in die Trage genommen und nur die Wickeltasche und Handgepäck mit in die Kabine genommen. Beim restlichen Gepäck/Equipment waren wir froh, dass alles aufgegeben werden konnte und wir nichts mehr schleppen mussten. Jetzt wo er älter (und schwerer) ist, nehmen wir aber oft den Buggy bis zum Gate mit. Wenn man dann gelandet ist, wird alles auf dem normalen Kofferband oder beim Sperrgepäck Band „ausgespuckt“.

Die Wickeltasche für den Flug

In die Wickeltasche kann man alles packen, was das Baby braucht, auch Flüssigkeiten (wie z.B. Wasser, Breis etc.) die mehr als 100 ml haben. Diese darf zusätzlich zum eigenen Handgepäck mit in die Kabine genommen werden. Sie sollte so gepackt werden, dass die essentiellen Sachen mit einem Handgriff erreichbar sind. Was essentiell ist, ist natürlich von Baby zu Baby unterschiedlich. Bei Lino waren es als Säugling eine leichte Decke, ein Spucktuch und mein Stillcover. Später waren es dann seine Spielzeuge und Snacks ;).

Was wir auf jedem Flug dabei hatten:

  • Windeln, Feuchttücher, Wickelunterlage, Desinfektionstücher, Taschentücher & eine kleine Tube Wundcreme
  • Mütze, dicke Socken und ein extra Jäckchen für das Baby, so dass man sich der Temperatur im Flieger anpassen kann
  • 2 Spucktücher, Stillcover & eine leichte Decke
  • Wechselklamotten für Baby und Eltern (zumindest ein 2. Oberteil)
  • Kochsalzlösung, sterile Tupfer, Nasenspray, Nosefrida, Fieberzäpfchen, Desinfektionsspray und andere Medikamente/Cremes, die gerade gebraucht wurden (z.B. Dentinox als Lino gezahnt hat)
  • Spielzeug und später auch Bücher (idealerweise nimmt man leichtes Spielzeug und Pixiebücher, damit man nicht so viel schleppen muss) und gerne nehme ich entweder was Neues mit oder etwas womit er schon lange nicht mehr gespielt hat, damit es auch interessant ist
  • Nach Einführung der Beikost: Brei, Wasser, andere Snacks, Löffel & Lätzchen
  • Für Lino war es nicht relevant, aber hilfreich sind bei den meisten auch: Schnuller, Fläschchen und Milchpulver, Beißring, Kuscheltuch und/oder Lieblingsstofftier
Reisen mit Baby
Leichtes Gepäck sieht anders aus 🙂

Am Flughafen: Sicherheitskontrollen, Wickeln und Füttern

Für uns war es immer am handlichsten, wenn wir Lino in der Trage dabei hatten. So hatten wir die Hände frei und Monsieur war meistens sehr zufrieden oder hat geschlafen. Bei der Sicherheitskontrolle muss man alle Flüssigkeiten für’s Baby extra rauslegen. Der Buggy muss zusammengeklappt einmal durch den Scanner fahren. Auch die Trage muss abgenommen werden und durch den Scanner geschickt werden. Dies bedeutet, dass man am besten erst alles andere auf das Scannerband legt und zuletzt die Trage. Da danach ja das Baby auf dem Arm ist und man keine Hand frei hat. Dann muss man einmal ohne Baby durch den „Pieper“ gehen. Dabei kann man das Baby entweder dem Partner geben oder einem der Sicherheitsleute, wenn man alleine reist. Natürlich nicht ideal, denn Lino fand das nie witzig bei Fremden auf dem Arm zu sein, geht für diesen kurzen Moment aber nicht anders. Danach geht man wieder zurück und geht nochmal zusammen mit Baby durch den Pieper.

Dann am besten als erstes wieder das Baby umschnallen, damit man die Hände wieder frei hat um die restlichen Sachen wieder in Ruhe zusammen zu packen . Bisher haben wir wirklich super Erfahrungen bei den Sicherheitskontrollen gemacht. Sowohl das Personal als auch die anderen Leute in der Schlange waren immer sehr hilfsbereit. Bei Bedarf haben sie Lino gehalten oder bespaßt und auch mit dem restlichen Kram geholfen.

In jedem Flughafen in dem wir bisher waren, gab es entweder einen Wickeltisch auf der Frauentoilette oder einen eigenen Wickelraum. Diese sind auch immer extra gekennzeichnet. Manchmal wenn der Raum aber ziemlich weit weg war und wir nicht gerade eine Poopieexplosion hatten, haben wir Lino aber auch einfach, schnell mit Wickelunterlage auf den Wartesitzen gewickelt.

Füttern und Stillen war auch noch nie ein Problem. Entweder hatte ich mein Stillcover dabei und habe ihn im Wartebereich zwischen allen anderen Passagieren gestillt oder es gab spezielle Still-/Wickelräume. Und Füttern konnte man ihn sowieso überall. Manchmal haben wir uns einen Essbereich mit Hochstühlen gesucht, aber oft saß er einfach beim Anderen auf dem Schoß oder alleine auf einem Sitz.

Druckausgleich bei Start und Landung

Bei Start und Landung sollte man versuchen, dass das Baby entweder trinkt (Flasche oder an der Brust) oder zumindest einen Schnuller hat. Denn durch die Saugbewegungen können Babys den Druck besser ausgleichen. Bei Lino hat das zeitlich nicht immer geklappt. Da habe ich z.B. gedacht jetzt geht es los, wir starten und habe ihn schnell angelegt und dann stand der Flieger noch 15 min und Lino war fertig mit Trinken bevor wir überhaupt in der Luft waren. Oder er ist vorher eingeschlafen. Oder er wollte zu dem Zeitpunkt einfach nichts trinken. Das hat mich dann jedes Mal etwas nervös gemacht. Aber bei Lino gab es bisher (zum Glück) nie das geringste Anzeichen, dass er sich aufgrund des Drucks unwohl gefühlt oder gar Schmerzen gehabt hätte.

Versorgung während des Fluges

Noch vor dem Start kriegt man für das Baby einen extra Sitzgurt, den man an seinem eigenen Gurt befestigt. Geht relativ einfach und die Stewardess hilft einem gerne.

Decken und Kissen sind normalerweise auch vorhanden und werden einem auf Nachfrage gerne gebracht. Speziell, wenn man stillt, sollte man versuchen, dass alles möglichst bequem ausgepolstert ist. Daher am besten gleich zu Beginn danach fragen.

Heißes Wasser für die Flasche wird einem auch immer gebracht, kann aber einige Minuten dauern, daher am besten nicht warten, bis das Kind schon vor Hunger schreit.

Beschäftigung während des Fluges

Als Lino ganz klein war, waren Singen und Handbewegungen vor seinem Gesicht das beste Mittel zur Ablenkung („Wie das Fähnchen auf dem Turme…“ ;)). Später dann Spielzeug, wie ein Greifling oder eine Rassel. Mittlerweile fahren wir das volle Entertainmentprogramm auf: Jede Art von Spielzeug, Bücher, Fingerspiele und jede Menge Snacks (Obst, Cracker, Quetschies etc.). Die anderen Passagiere sind auch immer sehr interessant. Wenn man Glück hat machen sie schön mit und winken oder machen „guck-guck“. Und wenn alle Stricke reißen kommt das Handy raus und wir gucken Videos von ihm selbst oder seinen Babyfreunden.

Was tun wenn das Kind schreit?

Das ist der Horror eines jeden Elternpaars beim Reisen mit Baby. Das Kind schreit sich die Lunge aus dem Hals, gefühlt gucken einen alle anderen Passagiere an oder man hört sogar genervtes Tuscheln im Hintergrund. Natürlich haben wir dafür auch kein Allheilmittel, aber als allererstes: So gut es eben geht nicht aus der Ruhe bringen lassen (ich weiß sehr viel leichter gesagt, als getan). Sich auf sein Kind konzentrieren und die anderen Passagiere ausblenden. Dann einfach die Sachen probieren, die man auch zu hause machen würde wie z.B. stillen, Schnuller geben, ablenken durch Singen oder Spielzeug, schaukeln, in die Trage packen und den Gang hoch und runter gehen (wenn die Anschnallzeichen nicht gerade an sind) oder einen Snack reichen usw.. Wenn das alles nicht hilft, werfen wir unsere guten Vorsätze über Bord und holen das Handy oder (mittlerweile auch) das iPad raus und dann gibt es eben eine Folge Peppa Wutz.

Bei kleineren Babies funktioniert dieses letzte Hilftsmittel wahrscheinlich nicht und da hilft manchmal vielleicht auch nichts anderes und man ist mit seinem Latein am Ende, aber da versuche ich dann den Rat meiner Freundin (die auch Hebamme ist) zu befolgen, die mir mal gesagt hat: Manchmal kann man einfach nichts machen, außer für sein Baby da zu sein und es zu halten. Dann muss es in dem Moment vielleicht einfach schreien, ohne dass es eine andere Lösung gibt. Da kann niemand was für und jeder Flug geht irgendwann vorbei.

Zum Glück hatte Lino im Flugzeug bisher nie lange Schreiphasen und eines der oben aufgelisteten Mittel hat immer geholfen (im Auto war das aber eine ganz andere Geschichte :().

Weitere Erfahrungen/Tipps:

  • Ich habe mal gehört, dass der Ausklapptisch vor jedem Sitz der größte Bakterienherd ist. Deswegen wird dieser jetzt immer einmal schnell desinfiziert.
  • Das teilweise richtig laute Brummen des Flugzeugs ist super „white noise“ und hat Lino immer schön beim Schlafen geholfen.
  • Die Nasenschleimhäute trocknen oft schnell aus, was speziell für Babys unangenehm sein kann. Deshalb bekommt Lino vor dem Flug jeweils einen Tropfen Kochsalzlösung in jedes Nasenloch.
  • Der Wickeltisch befindet sich immer über der Toilette im Flugzeug und zu zweit passt man da kaum mit ausgeklappten Tisch rein. Deswegen ist es meist besser, wenn nur einer zum Wickeln geht. In Ausnahmefällen, wie bei einer Poopieexplosion, kann man das zweite paar Hände aber gut gebrauchen. Dann steht die zweite Person eben in der offenen Tür halb im Gang, aber kann zumindest Sachen anreichen oder entgegennehmen :).

Ich hoffe, dass unsere Erfahrungen und Tipps euren ersten Flug oder auch alle folgenden Flüge und das Reisen mit Baby generell etwas erleichtern und euch mit einem besseren Gefühl starten lassen. Und mich interessiert natürlich auch, was bei Euch am meisten geholfen hat! 🙂

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3 Kommentare

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