Unsere Kita Eingewöhnung mit Lino / Eine turbulente Zeit

In wenigen Monaten ist es soweit und Lino geht dann schon ein Jahr in die Kita. Dann gehört mein kleiner Mister in seiner Gruppe bereits zu den „Großen“. Die Kita Eingewöhnung war alles andere als „smooth“ und wir haben uns das doch etwas anders vorgestellt. Aber wie so oft mit Kind, läuft es eben nicht so wie die Eltern wollen oder erwarten. Linos Erzieher würden aber wahrscheinlich sagen, dass seine Eingewöhnung nichts Ungewöhnliches war. Vielleicht macht unsere Erfahrung ja auch ein paar anderen Eltern Mut bei denen es nicht so läuft.

Die Suche nach einem Kitaplatz #katastrophe

Dass es viel zu wenig Kitaplätze fast überall in Deutschland gibt, ist mittlerweile glaube ich sogar Nicht-Eltern bewusst. Aber dass es so ein Chaos ist wie in Berlin, hätten wir nicht erwartet. Da ich ja immer gerne vorbereitet bin, habe ich mich frühzeitig (so dachte ich) an die Kita Suche gemacht. Nach ca. der Hälfte der Schwangerschaft mit Lino habe ich angefangen ein bisschen zu recherchieren. Im Internet habe ich alle Kitas zusammengesucht, die bei uns in der Nähe waren und deren Konzept sich ganz gut angehört hat. Ich hatte also eine richtig schöne Excelliste mit allen wichtigen Infos (wie viele Kinder & Gruppen, Außenbereich ja oder nein, Betreuungsschlüssel, bilinguale Erzieher etc. ), sogar mit solchen Details wie Angebot von Bioessen ;).

Dort wo man sich online bewerben konnte, habe ich dies getan – aber von keiner einzigen eine Rückmeldung erhalten (auch nicht, dass man keinen Platz bekommt). Als nächstes habe ich bei den Kitas angerufen, mit der Hoffnung einen Besichtigungstermin zu bekommen. Fast immer wurde mir direkt gesagt, dass es keine Plätze mehr gibt („gehen schon alle an Geschwisterkinder“) oder dass die Warteliste schon voll sei. Da habe ich mich wirklich gefragt, ob man sich schon um einen Platz kümmern muss BEVOR man schwanger ist?!?. Bei ganz wenigen wurde ich darauf vertröstet, dass es in den nächsten Monaten einen Termin für eine Sammelbesichtigung geben würde, der aber noch nicht fest steht oder dass ich mich melden solle, wenn das Kind denn dann schon auf der Welt ist (bei diesen Kitas wurde ich dann übrigens wenige Wochen nach der Geburt darauf hingewiesen, dass ich mich viel zu spät in die Listen eintragen würde #jathanks #forNOTHING #grrr).

Also diese Erfahrung war wirklich frustrierend, aber aufgegeben habe ich natürlich nicht. Stand ja auch nicht zur Debatte, denn der kleine Mister musste ja irgendwie betreut werden. Und das wiederum fand ich auch schon ziemlich doof. Denn es ging gar nicht mehr darum das „richtige“ Betreuungskonzept und eine schöne, kompetente Einrichtung zu finden. Sondern wir konnten froh sein, wenn wir überhaupt einen Platz kriegen würden – egal wo. Also habe ich meine Ansprüche erstmal alle über Bord geworfen. Was mich etwas beruhigt hat, war die Tatsache, dass es auch allen anderen Muttis, die ich in Linos erstem Jahr kennengelernt habe, so ging. Also ich wusste, dass jeder sich auf allen Wartelisten einträgt. Dann war es vielleicht doch nicht so schlimm, dass wir auf Platz 126 für 15 frei werdende Plätze waren.

Meine Herangehensweise war dann die, einfach alle Auskünfte über die negative Platzlage im Internet und über Telefon zu ignorieren. Beginnend mit meinem Mutterschutz, bin ich dann einfach zu jeder Kita persönlich (ohne Termin) hingegangen, habe mich vorgestellt und versucht denen mein ungeborenes Baby bzw. später mein zuckersüßes Neugeborenes schmackhaft zu machen. Den Kitas, die ich besonders mochte bzw. die, bei denen ich mir mehr Chancen ausgerechnet habe, habe ich dann regelmäßig (ca. 1x im Monat) einen Besuch abgestattet.

Auf Kitasuche mit seinem BFF. Manchmal war es ganz schön dodgy…

Und das hat dann letztendlich auch funktioniert. Die Hartnäckigkeit hat sich bewährt, obwohl einige bestimmt ganz schön genervt von mir waren. Aber ich hatte ja nichts zu verlieren. Insgesamt habe ich das Gefühl, man kriegt nur einen Platz, wenn man 1. schon ein Geschwisterkind in der Einrichtung hat oder 2. man Beziehungen hat oder 3. man schafft es sich bei der Leitung auf einigermaßen nette Art und Weise irgendwie ins Gedächtnis zu brennen. Für mich blieb da nur Option 3. Und tatsächlich hatten wir am Ende sogar 2 Plätze und konnten unseren Favoriten wählen.

Der richtige Zeitpunkt für die Kita Eingewöhnung

Die meisten meiner Mutti-Freundinnen und -Bekannten nehmen sich ca. 1 Jahr Elternzeit, sprich danach kommt das Kind in die Fremdbetreuung. Das war irgendwie das „normale“ Modell in unserer Umgebung, was wir zu Beginn unseres Elternseins nie großartig in Frage gestellt haben. Und so haben auch wir geplant, Lino mit gut einem Jahr in die Kita zu schicken. Das hat gut gepasst, denn er ist ein Juli-Baby und das Kitajahr beginnt bei so gut wie allen Einrichtungen im August. Perfekt nicht-geplant-geplant :). Und so wurde es von Beginn an an unsere Arbeitgeber kommuniziert.

Je näher der August jedoch gerückt ist, desto mehr habe ich mich gefragt, ob das nicht doch zu früh für Lino wäre. Immerhin kannte ich es aus meiner Kindheit nur, dass man erst mit 4 Jahren, frühestens 3, in den Kindergarten gegangen ist. Zudem war Lino den meisten Leuten gegenüber nicht besonders zutraulich. Er brauchte immer entweder Cedric oder mich in seiner Nähe. Er hat regelrecht Panik bekommen, wenn er dachte einer von uns lässt ihn „alleine“. Und so haben wir den Starttermin für die Kita Eingewöhnung von August auf September gelegt, was aber eigentlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein war.

Der Mann wird es schon richten

Da ich den Großteil der Betreuung von Lino während der Elternzeit übernommen habe, dachten wir, es wäre schön, wenn Cedric die Kita Eingewöhnung übernimmt. So hätte er auch nochmal one-on-one time mit Lino. Außerdem sind Männer ja bekanntlich auch nicht so emotional und kommen wahrscheinlich besser mit dem Trennungsschmerz klar. Es war zwar ein komisches Gefühl, aber irgendwann musste die schöne Elternzeit ja auch für mich vorbei sein. Lediglich am ersten Tag bin ich noch mitgegangen. Das war ja doch irgendwie ganz besonders. Für mich hat es sich ein bisschen wie Linos erster Schultag angefühlt.

Und dann kommt es doch anders #kinderhalt

Wir haben insgesamt 4 Wochen für die Eingewöhnung eingeplant und hatten noch 2-3 Tage Puffer am Ende. Wir dachten das reicht doch dicke. Aber Pustekuchen. Insgesamt sollte es 6,5 Wochen dauern und auch Monate lang danach gab es fast jeden Tag noch Tränen beim Abschied und die ersten Wochen sogar beim Abholen.

Aber von vorne. Die Eingewöhnung in unserer Kita läuft nach dem Berliner Modell. Bei dem man schrittweise die Dauer des Aufenthaltes in der Kita zuerst mit und später ohne Eltern erhöht. Klingt ja eigentlich nach einer relativ sanften Methode, die Sinn macht. Die ersten Tage, bei denen Cedric noch mit im Raum war, haben super geklappt. Das hat uns aber nicht überrascht, denn das war ja so ähnlich wie mit Lino im Kindercafé zu sein. Papa oder Mama sitzen an der Seite, während die Kinder sich über das Spielzeug hermachen können.

Als „eingewöhnt“ gilt man übrigens, wenn man sich von seinen Erziehern, nach dem Abschiednehmen von den Eltern, trösten lässt. Es ist also nicht unbedingt das Ziel, dass das Kind beim Tschüss sagen nicht weint, sondern, dass es sich danach langfristig beruhigen lässt. Klappt das nicht, werden die Eltern – oder sollen sie zumindest – nach wenigen Minuten zurück gerufen. Leider haben sie bei Linos Eingewöhnung an einem Tag nach ca. 2 Wochen zu lange damit gewartet. Er hat richtig doll geweint und das fast eine halbe Stunde bis er sich von dem ganzen Weinen übergeben musste. Erst dann wurde Cedric gerufen.

Danach hatten wir viele Tage ein richtig verstörtes Kind. Nachts ist er oft weinend aufgewacht und konnte nur weiterschlafen, wenn er einen von uns berührt hat. Das hat mir wirklich das Herz gebrochen und mich daran zweifeln lassen, ob Lino schon bereit ist und auch ob unsere Erzieher das nötige Feingefühl haben. Da spricht natürlich das Mamaherz und vielleicht bin ich da etwas sensibel, aber ich war richtig sauer. Ced hat das alles nicht so eng gesehen und meinte, die wissen schon was sie tun und machen das nicht zum ersten Mal. #agreetodisagree

Zu diesem Zeitpunkt war es auf jeden Fall gut, dass Cedric die Eingewöhnung gemacht hat, denn ich weiß nicht, ob ich es abgebrochen hätte. Eine Alternative hatten wir aber auch nicht so richtig, denn ich hatte auch schon wieder angefangen zu arbeiten. Nach diesem berüchtigten Tag wurde dann entschieden von Neuem mit der Eingewöhnung zu beginnen. Sprich Cedric war wieder ein paar Tage komplett anwesend. Aber wir hatten ja eigentlich nur noch 2 Wochen bevor er wieder arbeiten musste. Und ich konnte nach diesen 4 Wochen auch nicht einspringen, weil ich genau da eine lang geplante Geschäftsreise hatte.

Glücklicherweise konnte die Oma für diese 5. Woche kommen und das hat gut geklappt. Zwar hat Lino immer noch viel geweint, ließ sich aber von den Erziehern trösten. Mittagsschlaf und Vesper (Nachmittagssnack) hatte er bis dahin aber noch nicht dort gemacht. So dass er nach 5 Wochen noch nicht komplett eingewöhnt war. Da blieb mir nichts anderes übrig als mit meinem Chef eine Lösung zu finden (der dabei übrigens super entgegenkommend war). So bin ich dann die nächsten 1,5 Wochen jeden Tag früher von der Arbeit gegangen um Lino auf Abruf abzuholen. Dafür ging es aber jeden Tag auch ein bisschen besser und länger. Nach 6,5 Wochen war es dann endlich soweit und Lino konnte bis 15 Uhr in der Kita bleiben, ließ sich trösten und galt somit als eingewöhnt. Und ich konnte meine 30-Stunden Woche auch ganz offiziell erfüllen.

Leider war es die nächsten 4 Monate noch so, dass Lino fast jeden Tag morgens beim Abgeben (oder schon vorher noch im Kinderwagen auf dem Weg) geweint hat – manchmal richtig schlimm. Entsprechend bin ich oft mit einem traurigen Muttiherz zur Arbeit gegangen. Und auch, wenn ich ihn abgeholt habe, hat er geweint. Jedoch nicht, weil er nicht gehen wollte, sondern weil ihm in dem Moment nochmal bewusst geworden ist, dass wir ihn ja da gelassen hatten. Das hat sich am Nachmittag zum Glück nach ein paar Wochen in Freude gewandelt, dass Mama ihn jetzt abholt. Nur der Morgen blieb doof.

Lino scheint endlich angekommen

Seit ca. 3 Monaten ist es morgens deutlich besser geworden. Zwar weint er immer noch gelegentlich, aber meistens spaziert er einfach in seine Gruppe, als ob es das Normalste der Welt ist. Oft dreht er sich sogar gar nicht mehr um um zu winken. Das freut uns jedes Mal total. Denn wir wissen es nach diesen ersten schwierigen Monaten nun richtig zu schätzen, wenn er happy rein geht. Und wir haben dann auch kein schlechtes Gewissen, weil wir wissen, dass er Spaß hat und sich wohl fühlt.

Nachmittags ist es mittlerweile sogar so weit, dass er oft nicht gehen will, weil er so gerne da ist. Speziell, wenn sie draußen spielen, hat Lino gar keine Lust mit zu kommen. Das ist dann wiederum auch ziemlich anstrengend. Aber man kann nicht alles haben ;).

Linos Erzieher haben ihn übrigens relativ schnell „Schauspieler“ getauft, weil er immer so herzzereißend geweint hat und das dann aber angeblich auch immer schnell wieder vorbei war, sobald wir weg waren. Naja. ich hoffe es ist tatsächlich so. Aber mein Gefühl sagt mir, dass die Kita jetzt das Richtige für ihn ist. Vielleicht hätten wir ein paar Monate später starten sollen oder vielleicht war es auch der Prozess den Lino so oder so hätte durchgehen müssen. Man weiß es nicht. Wir sind auf jeden Fall glücklich, dass es Lino mittlerweile so gut gefällt, denn zeitweise haben wir gedacht, dass dieser Zeitpunkt niemals kommen wird ;).

Ori wird übrigens ein paar Monate älter sein als Lino bei seiner Eingewöhnung. Das hat sich ganz gut mit seinem Geburtsdatum und dem Beginn des Kitajahres ergeben. Und hätten wir wahrscheinlich nach der Erfahrung mit Lino sowieso versucht. Aber jedes Kind ist anders und vielleicht heult Ori mit 10 Monaten rum, dass er mit seinem großen Bruder in der Kita bleiben will. Es bleibt auf jeden Fall spannend ;).

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