Geburtsvorbereitungskurs / beim 1. Baby vs. beim 2. Baby

Dicker Bauch

Vor ein paar Tagen hatte ich bzw. wir die letzte Session unseres zweiten Geburtsvorbereitungskurs. Und ich dachte es wäre ganze interessant für Erstlingsmamas und auch Schwangere mit ihrem 2. Kind meine Erfahrungen zu beschreiben. Denn ich wusste bei beiden Kursen vorher nicht so wirklich, was mich tatsächlich erwartet. Beim ersten Kurs hatte ich noch die Klischees im Kopf, die man aus den Filmen kennt. Und den zweiten Kurs wollte ich eigentlich gar nicht machen, bis meine Hebamme ein Loblied auf den Kurs und vor allem die Kursleiterin gesungen hat.

Einige der Fragen, die ich mir bei meiner ersten Schwangerschaft und auch jetzt beim 2. Kind gestellt habe, waren: Was wird in einem Geburtsvorbereitungskurs überhaupt besprochen (außer dass komisch geatmet wird)? Was wird im zweiten Kurs (auch Kurs für Mehrgebärende genannt) thematisiert? Und muss oder sollte man überhaupt einen Kurs beim zweiten Kind machen, denn schließlich hat man jetzt eine Ahnung davon, was auf einen zukommt.

Geburtsvorbereitungskurs beim ersten Kind – warum?

Für mich stand in meiner ersten Schwangerschaft fest, dass ich bzw. wir (sprich Ced und ich) auf jeden Fall an einem Geburtsvorbereitungskurs teilnehmen wollten. Denn in dieser Zeit fing ja auch meine ganze Leidenschaft für das Thema Schwangerschaft und Baby an. Ich konnte also gar nicht genug Infos kriegen und diese auch mal in anderer Form als aus Büchern oder dem Internet zu bekommen, fand ich ganz spannend.

Außerdem habe ich mich darauf gefreut andere Schwangere kennen zu lernen, die bei mir in der Nähe wohnen. Denn obwohl meine zwei besten Freundinnen zeitgleich schwanger waren, leben wir alle drei leider in verschiedenen Städten. Ich habe also gehofft ein paar Muttis kennen zu lernen, die hoffentlich auf der gleichen Wellenlänge sind und mit denen ich noch einen Teil meines Mutterschutzes und dann später auch die Zeit mit Kind verbringen könnte. Denn sonst war in meinem direkten Freundeskreis in Berlin leider niemand schwanger. Und so ganz alleine für 6 Wochen tagsüber zu chillen, konnte ich mir auch nicht vorstellen.

Wann macht man den Geburtsvorbereitungskurs?

Da ich mich sehr auf den Kurs gefreut habe, habe ich auch frühzeitig recherchiert und eine nette Hebammenpraxis bei mir im Kiez gefunden. Dort wurden verschiedene Kurse angeboten und ich habe uns direkt für einen mehrwöchigen Kurs für Schwangere mit 1. Kind angemeldet. Es gibt auch Crash-Kurse, die nur ein Wochenende gehen, aber wie gesagt, wollte ich ja auch andere Muttis kennen lernen. Daher haben wir uns für die 6-Wochen Variante entschieden. Und ich habe einen Geburtsvorbereitungskurs mit Partner ausgesucht, weil ich es schön und wichtig fand, dass wir beide gleichermaßen informiert sind

Am ersten Abend des Kurses musste ich aber schnell feststellen, dass alle Bäuche wesentlich größer waren als meiner. Ich war ungefähr 3 Monate früher dran als alle anderen Teilnehmer. Das fand ich dann doch doof, weil mein Ziel ja auch war ein paar Muttis für den Muterschutz kennenzulernen. Aber in dem Kurs würden alle schon längst ihr Baby haben bevor mein Mutterschutz überhaupt begonnen hätte. Es lohnt sich also vorher einmal nachzufragen, wann man den Kurs am besten macht ;). Ich habe also gefragt, ob ich beim nächsten Kurs in 2 Monaten mitmachen könnte, was ok war.

Jetzt im Nachhinein kann ich sagen, dass der ideale Zeitpunkt für den Kurs so ist, dass man 2-4 Wochen vor errechnetem Termin seine letzte Session hat. Denn so hat man noch alles „Gelernte“ frisch im Kopf. Und die Wahrscheinlichkeit, dass man die letzten Sessions (aufgrund eines Babys, was früher raus will) verpasst, ist noch relativ gering.

Was wurde im ersten Geburtsvorbereitungskurs besprochen?

Da dies ja jetzt schon gut 2 Jahre her ist, muss ich echt nochmal in den Tiefen meines Gedächtnisses kramen (ideal bei Schwangerschaftsdemenz ;)). Was ich aber definitiv noch weiß ist, dass ich zu 90% die Sachen, die besprochen wurden, schon gelesen hatte. Und trotzdem fand ich es nett alles nochmal in der Gruppe zu besprechen. Folgendes fällt mir noch ein, was an Themen abgedeckt wurde:

  • Wehwehchen in der Schwangerschaft – was ist dabei normal, was kann man dagegen tun
  • Wie kann man sich auf die Geburt vorbereiten, z.B. Akupunktur, Dammmassage, Heublumendampfbad etc.
  • Wie kann eine Geburt ablaufen
  • Welche Komplikationen und Verletzungen können während der Geburt auftreten
  • Wie kann der Partner einen während den Wehen und unter der Geburt unterstützen
  • Welche Atem- und Töntechniken gibt es (inkl. direkter Praxisübungen)
  • Welche Gebärpositionen kann man ausprobieren
  • Was passiert genau im Körper mit dem Baby während den Wehen und der Geburt – wie bahnt sich das Baby seinen Weg durch’s Becken
  • Tipps zum Stillen und zur Pflege bei wunden Brustwarzen
  • Lebensmittel, die am Anfang der Stillzeit vermieden werden sollten (glaube ich übrigens nicht so richtig dran)
  • Wochenbett und was man währenddessen beachten sollte

Mit Sicherheit haben wir noch mehr besprochen, aber diese Liste gibt schon mal einen guten Überblick darüber, was wahrscheinlich typisch für einen Geburtsvorbereitungskurs von Erstlingsmamas ist.

Fazit zum ersten Kurs

Insgesamt wurden viele verschiedene Themen behandelt, was auf jeden Fall Sinn macht bei der ersten Schwangerschaft. Aber trotzdem war auch sehr viel dabei, was man selbst nachlesen kann. Jetzt in der Retrospektive kann ich sagen, dass der Fokus eher auf Schwangerschaft und Geburt lag. Das ist wahrscheinlich auch das, was die meisten als Erwartungshaltung an den Kurs haben. Jedoch kann ich im Nachhinein sagen, dass es auch sehr sinnvoll gewesen wäre, mehr über das Wochenbett und das Neugeborene zu sprechen. Denn man beschäftigt sich selbst recht wenig (jedenfalls ich) mit der Zeit nach der Geburt. Es passiert nämlich noch jede Menge mit dem Körper, der Gefühlswelt und natürlich dem kleinen Minimenschen in den ersten Wochen nach der Geburt. Daher würde ich jeder Erstlingsmama bzw. Schwangeren den Tipp geben, viel zu dieser Zeit zu fragen, wenn es nicht als breiteres Thema während des Kurses besprochen wird.

Geschwisterkind
Auch in der 2. Schwangerschaft ist ein Geburtsvorbereitungskurs sinnvoll

Muss oder eher sollte man einen Geburtsvorbereitungskurs beim 2. Kind machen?

Wie oben schon kurz erwähnt, hatte ich eigentlich nicht vor einen weiteren Kurs zu machen. Ich hätte es zwar ganz amüsant gefunden, weil meine beste Muttifreundin auch zeitgleich schwanger ist bzw. war (Baby ist vor ein paar Tagen gekommen :), nach unserer letzten Kursstunde!) und wir das zusammen hätten machen können. Aber da alle Kurse noch vor meinem Mutterschutz tagsüber angeboten wurden, hätte ich dafür viel bei der Arbeit gefehlt und habe mich daher dagegen entschieden. Dann hat meine aktuelle Hebamme mich jedoch eines besseren belehrt und sehr gute Überzeugungsarbeit geleistet. Und jetzt bin ich richtig froh, dass ich den Kurs doch gemacht habe. Der Kurs war super und ich würde ihn jeder Mutti, die mit ihrem 2. oder 3. Kind schwanger ist, empfehlen. Voraussetzung ist aber, dass es ein Kurs speziell für Mehrgebärende ist und nicht einer für Erstlingsmamas.

Was wurde im Kurs für Mehrgebärende besprochen?

Wir hatten insgesamt 5 Sessions: 4 ohne Mann und einen Partnerabend am Ende des Kurses. Und diese Aufteilung fand ich super. Denn bei der zweiten Schwangerschaft weiß man tatsächlich schon viel mehr (und auch die Männer), wie so eine Schwangerschaft abläuft und was normal ist. Daher war das auch nicht der Fokus. Und trotzdem konnte man am Ende nochmal die Themen zusammen mit dem Partner besprechen, die man selbst relevant fand.

Vielmehr ging es direkt am ersten Kurstag darum seine erste Geburt zu reflektieren. Ein ganz schön persönliches Thema, aber es hat auch gleich eine Offenheit in der Gruppe geschaffen. So konnte man für sich selber nochmal heraus finden was evtl. gut gelaufen ist, aber auch was man bei der zweiten Geburt vielleicht vermeiden will. Zudem hat die Reflektion auch dabei geholfen, ggfs. traumatische Erlebnisse vom ersten Mal zu verarbeiten und besser zu verstehen, so dass man mit weniger Ängsten und selbstbestimmter in die nächste Geburt gehen kann.Und es hat mir auch nochmal deutlich gemacht, dass wirklich jede Geburt einzigartig ist und unterschiedlich abläuft. Man kann absolut nicht von anderen Stories auf sich selber schließen.

Ein weiteres großes Thema war der Ablauf der zweiten Geburt. Denn tatsächlich ist es so, dass die zweite Geburt in den meisten Fällen komplett anders abläuft als die erste. Denn der Körper hat dies alles schon einmal durchgemacht und entsprechend kann es beim zweiten Mal sehr viel schneller gehen. Auch die Wehen verlaufen im Normalfall anders als bei der ersten Schwangerschaft. Darüberhinaus haben wir jede Menge wertvolle Tipps bekommen, was man im Krankenhaus oft für Alternativen hat, die einem aber nicht aktiv angeboten werden. Und auch was man selbst entscheiden kann, obwohl Ärzte im ersten Moment vielleicht etwas anderes empfehlen (denn nicht immer werden Empfehlungen zugunsten der Schwangeren ausgesprochen, sondern nach Maßgabe der Krankenhausrichtlinien).

Auch wurde das Wochenbett viel ausführlicher behandelt, was ich super fand. Denn erstens ist auch dieses oft anders als beim letzten Mal, da der Körper anders reagiert und auch weil man diesmal mit Kleinkind in einer anderen Situation ist. Man hat z.B. viel stärkere Nachwehen beim zweiten Mal, dafür klappt es mit dem Stillen oft besser als beim ersten Mal, da dieses mal „nur eine Partei Amateur ist“, wie unsere Kursleiterin so schön gesagt hat. Und man muss sich anders organisieren, weil ja auch immer die Betreuung des älteren Kindes gewährleistet sein muss. Insgesamt haben wir viel mehr Tipps für die Zeit des Wochenbettes bekommen, was ich sehr hilfreich fand.

Und das Thema, was mir am meisten Kopfzerbrechen bereitet hat bzw. immer noch tut, haben wir auch besprochen. Nämlich: Wie geht man mit dem Geschwisterkind um? Lino ist ein Kind, was selbst noch viel Nähe und Aufmerksamkeit braucht (er wird schließlich auch erst 21 Monate alt sein, wenn sein Brüderchen zur Welt kommt). Und ich denke oft darüber nach wie er mit dieser neuen Situation klar kommen wird und wie wir ihn am besten begleiten und unterstützen können. Natürlich denke ich jetzt nicht, dass es ein Spaziergang werden wird, sich in der neuen Familienkonstellation zurecht zu finden. Dennoch fühle ich mich besser vorbereitet, wie ich in bestimmten Situationen handeln kann. Und ich habe auch ein größeres Verständnis dafür, was diese Umstellung für meine kleine (erste) Maus in seiner ziemlich heilen Welt eigentlich bedeutet.

Natürlich wurden auch viele Dinge nochmal aufgefrischt, die auch im ersten Kurs schon behandelt wurden. Sprich z.B. welche Atemtechniken gibt es und wie kann der Partner einen unterstützen. Oder wie kann man sich physisch auf die Geburt vorbereiten etc.. Aber auch das fand ich gut, denn einiges vergisst man dann doch. Obwohl es bei mir jetzt wirklich nicht so lange her ist (ich schiebe alles auf Still- und Schwangerschaftsdemenz ;)).

Fazit zum zweiten Kurs

Ist denke ich schon relativ gut raus gekommen. Ich finde einen Mehrgebärendenkurs mehr als sinnvoll und man sollte sich die Zeit nehmen. Für mich war es sogar Entspannung vom Alltag, auf die ich mich nach der ersten Session jede Woche richtig gefreut habe. Man konnte viele Themen viel konkreter besprechen, weil man sie schon einmal erlebt hat (beim ersten Mal ist es ja doch nur Theorie). Und ich fühle mich viel besser vorbereitet als beim ersten Mal. Dies mag daran liegen, dass ich insgesamt mehr Erfahrung habe. Aber ich denke viel hat auch damit zu tun, dass dieser Kurs einem mehr Selbstvertrauen in sich, seinen Körper und das Baby vermittelt hat.

Übrigens habe ich meine oben erwähnte beste Muttifreundin im ersten Geburtsvorbereitungskurs kennen gelernt. Mein Plan (oder eher meine Hoffnung) ist also tatsächlich aufgegangen :). Zwar haben wir uns erst nach Geburt unserer beiden Mäuse getroffen, aber daraus ist eine sehr gute Freundschaft geworden. Wir haben total viel Zeit während unserer Elternzeit miteinander verbracht. Unsere beiden Jungs sind BFFs. Und wir haben es sogar hingekriegt, dass wir auch jetzt wieder gemeinsam schwanger sind/waren und die nächsten beiden Jungs auch relativ nah aneinander sind. Umso mehr freue ich mich auf die kommende Elternzeit. Denn zu zweit (oder auch mehr) ist wirklich alles einfacher im Muttidasein!

Mami Freundinnnen
Ein schöner Nebeneffekt beim Geburtsvorbereitungskurs: Wenn man Glück hat, trifft man richtig gute neue Freunde 🙂

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